15 Juni 2009 - 19:30
News ID: 159549
Die Weltgesundheitsbehörde (WHO) hat Israel aufgefordert, sofort medizinische Hilfslieferungen in den Gazastreifen zu lassen.
Früher seien pro Tag 4000 medizinische Artikel in den Gazastreifen geliefert worden, heute seien es nur 40, erläuterte Guido Sabatinelli, der Leiter der Gesundheitsabteilung von UNRWA, der UN-Hilfsorganisation für die palästinensischen Flüchtlinge, am Montag. Weil Israel auch kein Baumaterial in den Gazastreifen läßt, können im Krieg zerstörte Gesundheitszentren und Hospitäler nicht repariert werden, berichtete Sabatinelli bei der Jahreskonferenz der WHO in Genf. Besorgniserregend sei vor allem der Zustand von Kleinkindern unter drei Jahren, von denen 30 Prozent aufgrund der mangelhaften Ernährung unter Blutarmut (Anämie) litten. Das betreffe zudem 50 Prozent der schwangeren Frauen.
Die israelische Blockade des Gazastreifens trat bereits 2007 in Kraft, nachdem die Hamas die Parlamentswahlen gewonnen hatte. In dem 356 Quadratkilometer großen Küstenstreifen leben etwa 1,5 Millionen Menschen, 1.075.000 von ihnen sind bei der UNRWA registrierte Flüchtlinge. Die Blockade beeinträchtigt nach Angaben von Sabatinelli massiv die Gesundheit der Bevölkerung von Gaza, die außerdem immer noch unter den Folgen des dreiwöchigen Krieges Anfang 2009 zu leiden hat. Mehr als 1400 Menschen kamen damals ums Leben, über 5000 wurden zum Teil schwer verletzt und können bis heute nicht ausreichend medizinisch versorgt werden.
Die hohe Arbeitslosigkeit bedingt außerdem, daß den Menschen Geld fehlt, um zusätzlich zu den Grundnahrungsmitteln, die von Hilfsorganisationen und der UNRWA verteilt werden, kalorien- und vitaminreiche Lebensmittel kaufen zu können. Die Blockade verhindert außerdem die Lieferung von ausreichend Treibstoff und Kochgas, die Preise sind in die Höhe geschossen. Derzeit stirbt bei 1000 Geburten jedes 25. Kind, im besetzten Westjordanland liegt das Verhältnis bei 15 zu 1000, in Israel bei 5 zu 1000 Geburten.
Sabatinelli wies erneut auf die chronische Unterversorgung der UNRWA hin, die inzwischen mehr als vier Millionen palästinensische Flüchtlinge in Palästina und in Flüchtlingslagern in Jordanien, Syrien, Libanon und Ägypten versorgen muß. Der aktuelle Jahresetat der UNRWA beträgt 80 Millionen US-Dollar (etwa 57 Millionen Euro), das sind pro Flüchtling 20 US-Dollar pro Jahr (ca. 14 Euro). Der Weltgesundheitsbehörde zufolge liegt aber das Minimum für notwendige Unterstützung bei 60 US-Dollar (ca.43 Euro).
Israel verschärfte unterdessen erneut die Blockade des Gazastreifens. Auf Flugblättern forderte die zionistische Armee die Einwohner des Küstenstreifens am Wochenende auf, sich zur »eigenen Sicherheit« nicht mehr als 300, an manchen Stellen 500 Meter dem Absperrungszaun zu nähern, anderenfalls könnten sie erschossen werden. Der Gazastreifen, den Palästinenser auch als »Freiluftgefängnis« bezeichnen, ist komplett von einem Sicherheitszaun umgeben. Seeseitig blockiert die israelische Marine.
Die Tunnelanlagen an der Grenze zwischen dem Gazastreifen und Ägypten, durch die lebensnotwendige Güter in den belagerten Küstenstreifen geschafft werden, wurden in den vergangenen Tagen erneut von israelischen Kampfjets angegriffen.